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40. Etappe:
von „Olveiroa“ nach „Muxia“ 34 km
Sonntag, den 12.10.2009

 Albergue Olveiroa am Morgen

Um 07.oo Uhr ist heute, für mich, der Aufbruch angesagt. Am gestrigen Abend, hatte ich mich bereits, von der fröhlichen Runde, verabschiedet. Ich bin der Einzige, der nach „Muxia“ gehen will und dann von dort aus noch weiter, nach „Finisterre“. So konnte man davon ausgehen, dass wir uns nicht mehr wieder sehen werden.

So ziehe ich also, von der „Albergue Santo de Ol Veiroa“ los. Wie jeden Morgen, bei Dunkelheit. Ich gehe etwas die Straße hinunter und schwenke dann nach rechts, in die Hauptstraße ein. Weiter geht es, abwärts, an einer Bar vorbei. Der ganze Ort ist sauber und sehr schön zu Recht gemacht. Die Straße verläuft weiter hinab, bis vor eine Steinbrücke, über den „Rio Xallas“. Hier gehe ich nach links, in einen Hohlweg hinein, der nun eine zeitlang, an dem Bach entlang führt. Der Weg steigt nun langsam wieder an und verläuft, zum großen Teil, an der Bergflanke des „O Sima“ entlang. Dann geht es wieder den Berg hinunter, bis zu einem Bach, den ich dann, auf einer neuen Brücke, überquere und dem ich, auf der anderen Seite, über eine, aus breiten Bruchsteinen erbaute Straße, nach links, folge.

Der Weg führt mich dann bald wieder, den Berg hinauf, zum Weiler „Logoso“ und dann wieder weiter, durch ein Tal und wieder den Berg hinauf, nach „Hospital“. Im Dorf, besser gesagt, vor dem Dorf, biege ich links ab und gehe weiter, den Berg hinauf und gelange dann etwas später, zu einer Bar, die vor der bedrohlichen Kulisse, eines dort ansässigen Eisenwerks steht. Wie überall, stehen auch hier die roten Stühle und Tische in der Sonne.

Ich beschließe, auch wenn es noch etwas früh ist, hier Frühstückspause zu machen. Ich sitze dort noch nicht ganz, da taucht der Pilger auf, der zunächst mit einer jungen Frau, jetzt aber alleine, seinen Weg zieht und nur sehr sparsam, die Tageszeit sagt. Ich hole mir, in der Bar, meinen Cafe con Leche und bestelle mir dazu, noch ein Bocadillo. Dann gehe ich wieder hinaus und setze mich an den Tisch. Da sehe ich, wie sich der Pilger neben mir, eine Tüte dreht.

Das ging folgendermaßen vor sich: - Zunächst holt er Zigarettenpapier aus der Tasche, dann nimmt er eine Zigarette und löst den Tabak daraus heraus, indem er die Zigarette aufreißt. Dann holt er ein Stück, - (Was es nun ist, weiß ich nicht, da ich so etwas noch nie gesehen habe.) - es sieht aus, wie Schokolade. Er bricht ein Stückchen davon ab. Sofort verstaut er den Rest, wieder sorgfältig und tief, in seinem Rucksack. Dann zerkleinert er das Stückchen und vermischt es mit dem Tabak. Dann packt er alles in das Zigarettenpapier und dreht eine kleine Tüte daraus. (wie ein länglicher Trichter) Er stopft, von oben, noch einmal nach und dann dreht er die Tüte oben zu und verstaut diesen Joint in einer Seitentasche, an seinem Rucksack.

Diesen Vorgang wiederholt er noch einmal. Dann steht er auf und geht grußlos weiter. Deshalb also sein seltsames Verhalten, wenn wir uns auf dem Weg begegneten. Er ist ein Junkie, - ein Kiffer.

Nachdem ich mein Bocadillo gegessen habe und weiter wandern will, tauchen alle die jungen Leute, aus der lustigen Runde, von Gestern, auf. Sie hatten unten, vor der Brücke, über den „Rio Xallas“,

den Weg nicht gefunden und sind über die Landstraße gewandert. Sie waren ganz erstaunt, dass ich über den „Jakobsweg“, durch die Berge, gegangen bin und den Anfang gefunden hatte.

Natürlich habe ich ihnen nicht verraten, dass ich auch schon ein Stück auf der Landstraße gelaufen bin und dann umgekehrt bin, als ich keine gelben Pfeile sah und dann mit Mühe und Not, oder mehr durch Zufall, den Hohlweg, vor der Brücke gefunden habe. Wir haben uns dann noch einmal, überschwänglich, von einander verabschiedet, da sich hier, nun unwiderruflich, unsere Wege trennten. Denn hier geht es links nach „Finisterra“ und rechts nach „Muxia“.

So ziehe ich also weiter, in Richtung „Mucia“. Am Kreisverkehr, gehe ich nach rechts, an der Landstraße entlang und dann weiter, auf einem Feldweg, über eine primitive Steinbrücke, über einen Bach und dann noch weiter, auf einer Piste. Dann erreiche ich den Ort „Dumbria“. Hier gehe ich etwas durch den Ort und sehe die „Iglesia de Sta. Bala de Dumbria“. In diesem Ort gibt es noch gut erhaltene „Horreos“, das sind Getreidespeicher, die hier in der Gegend üblich und auch noch in Betrieb sind.

Auf dem schönen Vorplatz, der Iglesia de Sta. Bala de Dumbria“, steht ein altes Pilgerkreuz, das von zwei Seiten, mit anderen Ornamenten bestückt ist. Auf der einen Seite, der gekreuzigte Christus und auf der anderen Seite, die Mutter Gottes. Ich wandere dann weiter, auf dem so genannten königlichen Weg.

Beim durchqueren des Ortes „Dumbria“ erweist sich mein Wanderstock, als sehr hilfreich. Grundsätzlich werde ich hier, auf dem Weg zum Meer, in jedem Dorf, oder auch, bei nur einzelnen Behausungen, von randalierenden Hunden angekläfft. Meistens sind es aber nur kleine Tiere, die immer in einem ausreichenden Abstand bleiben. Die größeren Hunde, sind in der Regel, an einer Kette.

Hier in „Dumbria“ kommen mir nun 3 Hunde entgegen. Zwei kleinere und ein etwas größerer. Die Besitzerin ruft die Hunde zurück, der größere hört aber nicht. Da ich nicht weiß, wie der Hund regieren wird und da ich mich nicht beißen lassen will, habe ich meinen Wanderstuck herum gedreht und versuche, mir diesen frechen Hund auf Distanz zu halten. Er ist schon so nahe, dass ich ihn fast, mit dem Stock, berühren kann. Er humpelt, auf einem Vorderbein, was ihn aber nicht davon abhält, mich angreifen zu wollen. Ich denke mir: „Wenn der Bursche noch 10 cm näher kommt, dann erreiche ich ihn und dann tut es mir leid, um das Tier, aber dann schlage ich zu.“ Dann wird er aber unmissverständlich gerufen. Er trollt sich und geht rein. Ich mache, dass ich weg komme. Als ich dann die Stelle passiere, wo der Hund wohl hinter der Hecke ist, höre ich einen dumpfen Ton und ein Aufjaulen des Hundes. Das war wohl die direkte Strafe, für seine Angriffslust.

 Durch Waldbrände 2002 zerstörter Wald. Ich gehe jetzt weiter zum Dorf hinaus, auf einem Nebenweg, der mich dann zur Landstraße bringt. Diese gehe ich ein Stück hoch und überquere die Straße dann, um auf einem Waldweg, hinauf in einen Eukalyptus-Wald zu gehen. Ich passiere dabei den Ort „Buxan“. Dann geht es weiter, durch die Wälder, auf sehr steinigen Wegen. Hier bewege ich mich in einem Gebiet, in dem vor einigen Jahren die Wälder brannten. (Es kam in den Nachrichten)
Die Bäume, die hier ca. 50 m hoch sind, sind im unteren Drittel kahl und verkohlt.

Erst darüber, gibt es langsam wieder grünende Blätter. Was hier für ein Frevel, an der Natur begangen wurde, ist kaum zu glauben.

Hier wird auch nichts aufgeforstet, sondern die Natur muß sich selber helfen. Viele Stellen sind einfach kahl gebrannt und der Weg darauf, ist sehr schwer zu gehen, da er mit Geröll und mit Schlaglöschern übersät ist und teilweise als Bachlauf und von umgefallenen Bäumen verstellt und behindert ist.

 

Auf dem Weg, überholt mich mein Franzose und ein Stück weiter, überhole ich ihn wieder. Als ich aus dem Wald heraus komme, geht der weitere Weg, den Berg abwärts. Ich muss durch einen Bach waten, der hier den Weg für sich beansprucht. Kurz danach komme ich nach „Senande“. Hier stehen auch wieder viele „Horreos“. Es geht weiter, über Landstraßen und Waldwege, nach „Quintans“.

Hier geht es dann wieder zum Berg hinauf.
Am Fuße dieses Berges, als ich nach links, in die Straße einbiege, begrüßt mich wieder so ein kleiner Kampf-Hund. Er ist so frech, dass ich wieder meinen Stock zur Hilfe nehmen muß, um an ihm vorbei zu kommen. Ich habe es dann auch gerade geschafft, da biegt unten, an der Straße, der Franzose ein. Sofort greift der kleine Hund, den Franzosen an. (Dafür wurde er schließlich angeschafft und dafür wird er ja auch bezahlt.)

Der Franzose schafft es auch, an ihm vorbei zu kommen. Doch dann kommt schon, zur Verstärkung, ein Kavallerieregiment. - Mit einem Riesen Gezeter, (gleich dem Hornsignal, zum Angriff) kommen zwei Truthennen, in affenartiger Geschwindigkeit, aus dem Hof gelaufen, aus dem zuvor auch der Hund gekommen ist und greifen den Franzosen an.

Mein Freund Josef, wie er sich dann namentlich bekannt machte, nahm die Beine in die Hand und kam auf mich zu gelaufen. Hier bewährte sich dann mein Stock wieder. Denn als die Truthennen den erhobenen Stock sahen, blieben sie abrupt stehen und zogen sich dann, unter lautem Protest, zurück. Ich konnte leider nur ein Foto, von den Tieren machen.

Das musste ich dann auch gleich, meiner Ollen, zu Hause erzählen. Nachdem wir uns dann, zu Dritt, - Helga am Telefon, der Franzose und ich, vor Ort, ausgelacht hatten, zogen wir weiter.
So zog ich weiter, nach „San Martino de Ozon“ und durchwanderte diesen sehenswerten Ort, mit seinen historischen Sehenswürdigkeiten. Hier sind die größten „Horreos“ aus ganz Galizien zu bestaunen. Auch für die mittelalterliche Kirsche und die Reste eines alten Benediktinerklosters „San Martino“ muss man sich etwas Zeit nehmen.

Hier sieht man dann auch schon das Meer.

Nachdem ich das Dorf „San Martino de Ozon“ verlassen habe, komme ich zu einem weiteren, großen Klosterkomplex, der umfangreich renoviert- und teilweise wieder aufgebaut wird. Hier war ich schon fast über die Hauptstraße und daran vorbei gelaufen. Ich sah, im letzten Moment, von unten, das Kloster „San Xulian de Moraime“.

Um das dann genauer zu sehen, bin ich etwas zurückgegangen und habe mir dieses Monument dann in Ruhe angesehen. Leider war auch hier, wie an vielen anderen Orten, die Klosterkirche geschlossen.

Ich wandere dann mal wieder, dem Franzosen hinterher, der mich, in dieser Klosteranlage, mal wieder überholt hat. Wir durchwandern den Weiler „Os Muinos“ der auch schon, in der Nähe des Meeres liegt. Ich wandere dann aber wieder mal in einen Wald hinein und komme dann, etwas später, von oben, den Berg hinunter. Jetzt sehe das Meer und den Ort „Muxia“, auf dem Cap, vor mir liegen.

Ich laufe etwas über die Holzwege, die am Strand verlegt sind und steige dann links, vor der Stadt, steil den Berg hinauf, zur „Albergue de Muxia“. Es ist gleich das erste Gebäude, oben auf der Kuppe dieses Berges. Josef, der Franzose, ist auch schon da.

Wir bekommen zuerst eine Urkunde, ähnlich wie die Compostela, für die Erreichung des Ortes „Muxia“. Sie nennt sich „Muxia, Fin da Ruta Xacobea.“ Dann bekommen wir unser Bett, in der großen, weitläufigen „Albergue de Muxia“. Dann muß unbedingt geduscht werden. Nach 34 km, durch schweres Gelände und bei Hitze, da freuen sich sonst die Fliegen, wenn man vorbei kommt.

Also ab unter die Dusche, denn ich möchte ja auch die Stelle sehen, wo sich die bekannten Ereignisse zugetragen haben, die „Muxia“ zu einem Wallfahrtsort machten. So gehe ich, von der „Albergue de Muxia“, etwas die Straße abwärts, in die Stadt.

Es geht am Hafen vorbei und dann hinaus, aus der Stadt, rechts auf einem Küstenpfad und um das Cap herum.

Dabei komme ich an der „Iglesia Santa Maria“ vorbei, die hoch über den Klippen, in den Felsen gebaut ist. Mein Ziel ist aber das Marienheiligtum, die „Iglesia A Nosa Senora da Barca“. Die Legende erzählt: - „Die Muttergottes erschien hier dem Jakobus, zu einer Zeit, als ihn der Mut verlies, um die Missionierung, der Iberischen Halbinsel, weiterzuführen. Sie erschien in einem Schiff aus Stein, um ihm Mut zuzusprechen und ihn anzuhalten, sein Werk fort zusetzen.“

Der Muttergottes ist diese, einfache Kirche, auf dem Cap, die „Iglesia A Nosa Senora da Barca“ gewidmet. Vor der Kirche, auf einer Landzunge, liegen die „Pitra Santas“. Es handelt sich um große, eigenartig geformte Steine. Sie werden als die Reste, des Steinschiffs, bezeichnet, auf dem Maria erschienen ist. Einem dieser Steine, werden besondere Kräfte zugesprochen. Er wird, wegen seiner eigentümlichen Form, (einer Niere ähnelnd) als ein Segel, dieses Schiffes, bezeichnet. „A Pedra dos Cadris“. Wer neun Mal darunter hindurch kriecht, soll von Nierenleiden und von Rheuma geheilt werden. Maienheiligtum "A Nosa Senora da Barca " (Schiffsjungfrau)

Ich habe mich auch, hier in dieser Kirche, einen Moment niedergelassen und mal über mich und die Meinen nachgedacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen, die mir geblieben sind, für mich sehr wertvoll sind und meine Olle, die Beste davon ist. So habe ich hier allen Grund gefunden, Gott dafür zu danken.

Ich bin dann den schmalen Pfad, hinauf auf den höchsten Punkt des Cap´s gegangen und hatte über das Cap und die Stadt einen wunderschönen Ausblick. Dann traf ich, beim Heimgang, meinen Franzosen-Josef. Er lief mit seinem Rucksack herum, obwohl er, mit mir zusammen, in der „Albergue de Muxia“ eingezogen war und neben mir, sein Bett belegt hatte. Ich machte von ihm, ein paar Aufnahmen und er von mir. Er ging dann, auf den Berg hinauf und ich, an der anderen Seite, um den Berg herum, zurück in die Stadt.

In der „Albergue de Muxia“ hatte sich einiges getan. Die Bude war fast voll. Ich traf einen Pilger aus Blankenheim und den Düsseldorfer, der am Vorabend, mit in der Runde gesessen hatte. Er wollte ursprünglich nach „Cee“ gegangen sein. Also nach „Finisterra“.
Jetzt war er plötzlich hier. Ich habe langsam den Eindruck, dass der Bursche weite Strecken, mit dem Bus, zurücklegt.

Zum Abendessen gehe ich dann in die Stadt. Danach wieder nach Hause, in die „Albergue“. Als ich meine Wäsche, von der Leine nehmen will, fehlen ein Paar Socken und ein T-Shirt. Anderen Pilgern fehlten auch einige Wäschestücke. Hier schien sich jemand für die Heimreise einzukleiden. Was soll man sich lange aufregen?

Es lohnt sich nicht. Um 22.oo Uhr liege ich dann im Bett. Mein Franzose Josef, war auch wieder da, mit seinem Rucksack und er lag schräg, rechts über mir. Er ist der Einzige, den ich auf diesem langen Weg getroffen habe, der immer freiwillig, in den Doppelstockbetten, oben schläft. Da kann der ganze Saal leer sein, wie heute hier. Er sucht sich immer oben, ein Bett aus.

 

Dann wird es dunkel und die Nachtruhe kehrt im Lager der Pilger ein.