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43.Etappe:
Pilgermesse 12,00 Uhr
Mittwoch, den 15.10.2008.

 

Mein Flieger geht erst am Donnerstag. So habe ich heute, noch einen ganzen Tag Zeit, in „Santiago den Compostela“. Es ist schon ein seltsames Gefühl, jetzt ohne Zwang aufzustehen und den Tag, ohne einen festen Plan und ohne einen längeren Fußmarsch vor sich zu haben, zu beginnen. Gestern, war es schon etwas langweilig.

Doch heute weiß ich nicht, was ich tun soll, bis dass es hell wird. Zum Frühstücken, ist es noch zu früh. Vor 10.oo Uhr, braucht man erst gar nicht, in die Stadt zu gehen. Dann wird es doch 09.oo Uhr. Ich mache mich auf und gehe zum Einkaufen. Ich muß, für meine Lieben, noch Geschenke kaufen. In die Pilgermesse, um 12.oo Uhr, gehe ich natürlich heute noch einmal. Die Geschenke, muß ich bis dahin gekauft haben, denn sie sollen mit, in die Messe, um gesegnet zu werden. Ich bin darum schon früh, in der „Kathedrale“, damit ich auch noch, einen guten Platz bekomme.

Der Hamburgerin, mit der ich heute kurz gesprochen habe, wurde gestern, der Fotoapparat, in der „Kathedrale“, während der Pilgermesse, geklaut. Sie war sehr traurig, weil sie zu Hause, mit den Bildern und mit ihrem Freund, einen Vortrag ausarbeiten wollte.

Der Fotoapparat war ihr Nebensache, da er sowieso defekt war.
Ich habe noch mit ihr, an der Bushaltestelle gewartet, bis ihr Linienbus kam, mit dem sie zum Terminal fuhr. Hier wollte sie dann, in einen Reisebus steigen, der sie nach Hamburg zurück brachte. Sehr wichtig, wären ihr aber die Fotos gewesen. Schade für sie.
Etwas Oberhalb der Bushaltestelle, sind die Markthallen. Hier habe ich noch ein paar Sachen gekauft, da ich dort schon einiges bekam. Den Rest habe ich in der Stadt bekommen. Alles das, was ich in die Pilgermesse mitnehmen wollte.

Ein Pilger, ich glaube nicht, dass er den Weg ganz gegangen ist, filmte mit seiner Camera den ganzen Ablauf der Pilgermesse. Er stand sogar auf und filmte jeden, der zur Kommunionbank ging. Er filmte die Leute sogar, wie sie kommunizierten, dass er den Leuten, seine Camera nicht in den Mund rein hielt, war auch alles. Das wurde dann aber auch dem Sicherheitsdienst zu viel. Er drängte ihn ab und machte ihm klar, dass er das unterlassen soll, sonst müsse er die Kirche verlassen.

Ich habe vor ca. 30 Jahren, zum ersten Mal, etwas vom „Jakobsweg“ erfahren und dann auch zum ersten Mal, am Fernsehen gesehen, wie ein großes Weihrauchfass, das „Botafumeiro“, durch das Querschiff, der „Kathedrale“, geschwenkt wurde und dabei ca. 60 m hin und her pendelt. Das wollte ich einmal miterleben. Ich hatte großes Glück, dass es während dieser Messe gemacht wurde. So sah ich, wie sie dieses schwere Weihrauchfass, mit einem Gewicht von etwa 54 kg, mit ca. 10 Leuten, an einem 35 m langen Seil, welches an einer Konstruktion, in der Kuppel, befestig ist und über eine Rolle bewegt wird, zum Schwingen brachten.

Zwei Mal muss es wohl schon, im Laufe der Jahre, passiert sein, dass es aus der Kirche hinaus geflogen war. Es wurde dabei, aber niemand verletzt.

Früher diente der Weihrauch auch dazu, den Geruch, der den Pilgern anhaftet, zu mildern. Heute wird nur noch, zu besonderen Anlässen, dieses Spektakel veranstaltet. Ich hatte eben einfach Glück und war dabei. Nach der Pilgermesse, mit Pilgersegnung und sakralen Gesängen, die immer vor der Messe, von einer Nonne vorgesungen und mit den Pilgern eingeübt werden. Gesänge, die dann auch während der Messe, von dieser Nonne vorgesungen werden.

Die Messe wird immer, mit mehreren Priestern, gefeiert. Es sind dann zum Teil Priester, die auch gepilgert sind und in der Messe und zur Feier beitragen, in dem sie die Messe mitgestalten. Heute habe ich 10 Priester gezählt. Alle einheitlich und festlich gekleidet.

Das lies schon vermuten, dass heute etwas wirklich Besonderes ist. Es saß ein Orchester, im rechten Seitenschiff und die Kirchendiener liefen in ihren braunen Talaren herum, in denen sie auch, das Weihrauchfass, zum Schwingen bringen. Von den Pilgern, kenne ich keinen, bis auf die Pilgerin, die mit ihrer Gehhilfe, in der Kirche, ganz vorne sitzt. Das kommt daher, dass ich weiter gegangen bin und meine Mitpilger sicherlich schon alle zu Hause sind.

Helga hatte mir dringend geraten, bis ans Meer weiter zu gehen. Sie meinte: „Nun sehe zu, dass Du auch bis ans Meer kommst. Sonst kommst Du, im nächsten Jahr wieder und sagst: „Da muß ich unbedingt noch einmal hin, um ans Meer zu kommen!“Na, so musste ich halt, bis ans Meer laufen. Nach der Messe, halte ich mich noch eine Zeit lang, in der Stadt auf. Später gehe ich dann wieder in die „Albergue Seminario Menor la Asuncion“. Mit mir zusammen, kommt auch die Frau, mit ihrer Gehhilfe, vor der hohen Treppe an, die zur Herberge hinauf führt.

Ich nehme mir einfach ihren Wagen und trage ihn, die Treppe hinauf, bis ins Haus. Nachdem sie, in der Anmeldung, ihre Sachen geregelt hat und uns dort erzählt hat, wo sie schon alles war und woher sie jetzt kommt, nimmt sie ihre Taschen auf und geht, in gebückter Haltung, die Treppe hinauf. Ich nehme ihr einfach, die Taschen aus der Hand und trage sie ihr hoch. Sie wohnte im 3. OG. Wohl gemerkt, ein altes Haus, mit sehr hohen Räumen. Sie macht mir dann auf der Treppe klar, dass sie auf die 2. Etage will. Hier wohne ich. So gehe ich mit ihr, auf die 2. Etage und direkt in den Schlafsaal. Sie gibt mir zu verstehen, dass sie im 3.OG. wohnt und nur hier, die Küche sucht, damit sie sich etwas zu essen zubereiten kann. Dabei macht sie eine typische Mundbewegung. Bei Kindern würde man sagen: „Platsch nicht so!“ Ich brachte sie also in die Küche und gab ihr, das Gepäck zurück. Sie ergriff meine Hand und wollte diese, aus Dankbarkeit küssen. Das war mir dann Zuviel, ich zog die Hand zurück und sagte ihr, dass ich das nicht möchte. Sie kochte sich dann ihr Essen und bot mir auch etwas davon an. Ich lehnte aber dankend ab und verzog mich, weil es auch schon Zeit war, in mein Bett.

Damit ging der erste Tag, meiner Heimreise zu Ende.

Meine Gedanken waren noch bei der Frau, mit der Gehhilfe. An der Rezeption erzählte sie, dass sie in Rom und an allen wichtigen Pilgerorten, in Europa und darüber hinaus gewesen ist. Sie ist schon jahrelang unterwegs. In ihrer Tasche, die ich dann hoch getragen habe, hatte sie ihre Pilgerbücher, in den Stempel, aus aller Welt waren. Sie erzählte, dass sie jetzt direkt aus Jerusalem kommt und wieder weiter will, nach Rom. Alles zu Fuß, nur auf diese Gehhilfe gestützt. Ohne diese, geht sie ganz gebückt. Schlafsaal liegen 2 weitere Pilgerinnen, die heute angekommen sind. Die eine, ist Jenny, die mit mir, in „Fromista“, auf dem Flur, in einer Nische, übernachtet hatte. Das hätte ich nicht geglaubt, dass sie es schafft. Sie hatte einige Pfund zuviel auf den Rippen, aber offensichtlich auch einiges an Energie in sich, so dass sie es, bis hier geschafft hat.

Die zweite habe ich in „Castrojeriz“ kennen gelernt. Sie humpelte dort, genauso wie ich, durch die Gegend. Sie hatte auch, eine dicke Blase, unter dem Fuß. Nun, - Schmerzen verbinden. Auch sie hat es trotzdem geschafft. Dann lagen neben mir, in den Betten, 3 junge Frauen, die sich erst auf dem „Jakobsweg“ angefreundet hatten. Die, die direkt neben mir das Bett hatte, bat mich, da sie Angst hatte, sie könne sich morgenfrüh verschlafen und ihren Flieger verpassen, sie zu wecken, wenn ich aufbreche. Ich bin am Nachmittag, schon einmal den Weg gegangen, den ich morgen früh, zum Bus-Terminal gehen muß. Ich wollte wissen, wie lange ich brauche. Es sind ca. 20 Minuten, bis dort. Auf dem Weg dorthin, kommt mir die deutsche Frau, aus Schweden, entgegen. Sie ist schwer abgekämpft und sucht die „Albergue Residencia de Peregrinos San Lazaro“,

da sie sich dort, mit Anderen, verabredet hat. Sie sagt: „Wenn ich die jetzt nicht finde, dann gehe ich ins Hotel, direkt neben dem Busterminal.“ Ich konnte ihr aber schnell helfen, denn sie war gerade mal 250m daran vorbei gelaufen.

Als ich vom Bus-Terminal zurückkomme, fängt es an zu regnen. Der letzte Tag und jetzt kommt, nach all diesen Wochen, doch noch der Regen. Macht aber gar nichts. Morgen früh fliege ich nach Hause. Ich verspreche, meiner Nachbarin, dass ich sie wecken werde und dann ist Ruhe angesagt.

Der 2. Tag, meiner Heimreise, ist auch zu Ende. Um 22.oo Uhr geht wieder das Licht aus.